Oh Boy

Deutschland 2012
Regie: Jan Ole Gerster
Cast: Tom Schilling, Marc Hosemann, Friederike Kempter, RP Kahl, Justus von Dohnányi, Ulrich Noethen, Andrea Schröders, Arnd Klawitter, Martin Brambach
Genres: Drama
Sprachfassungen: Deutsch 2.0
Untertitel: keine

81:45 Minuten

 

Niko Fischers Leben hat sich im urbanen Gestrüpp der Möglichkeiten kläglich verheddert: Das Jurastudium geschmissen, durch den Idiotentest gerasselt, die Freundin einfach sitzen lassen, das Girokonto gesperrt, und keine Ahnung, wo’s im Leben hingehen soll. Eigentlich wäre Niko die klassische arme Sau – wären da nicht die Mitmenschen, denen er an diesem Tag begegnet. Denn im Vergleich zu denen, führt er seit Jahren ein Leben auf dem Ponyhof. Wenn er das doch irgendwann kapieren würde!
Wollte man den Existentialismus in einen Freizeitpark umwandeln, dann sähe der in etwa so aus wie dieser eine Tag im Leben des Niko Fischer. Mit umwerfender Lakonie und entspannter Leichtigkeit thematisiert Regie-Neuling Jan-Ole Gerster existentialistische Größen wie Selbstbestimmung, Verantwortung und Entscheidungsfähigkeit als wären es übliche Standards deutscher Unterhaltung. Herausragend geschriebene Szenen und Dialoge sparen nicht mit saftigen Seitenhieben auf den deutschen Film ebenso wie auf eine hospitalisierend um sich selbst drehende Berliner Szene. In brillante Schwarzweiß-Bilder und coolem Jazz gehüllt gelingt ihm so ein wahrhaft großer filmischer Wurf, der von einem starken Ensemble um Tom Schilling unterstützt wird. Life is a bitch and then you die: »Oh Boy«, was für ein stilsicheres Filmdebüt!